66 Prozent der Steuerberater und Wirtschaftsprüfer sehen ihre wirtschaftliche Existenz gefährdet, wenn sie ein massiver Cyberschaden trifft. Zu diesem erschreckenden Ergebnis kommt die HDI Cyberstudie 2026. Das Branchenergebnis ist fast doppelt so hoch wie der Durchschnitt aller kleinen und mittleren Unternehmen in Deutschland (35 Prozent). Keine andere befragte Branche schätzt das eigene Existenzrisiko so hoch ein.
Wie stark diese Existenzsorge über alle Branchen hinweg verbreitet ist, zeigen wir in unserem Beitrag „Jedes dritte Unternehmen fürchtet um seine Existenz nach einem Cyberangriff“.
Warum ausgerechnet Steuerberater?
Die Antwort liegt hauptsächlich in der Digitalisierung der Branche selbst. 78 Prozent der Steuerberater arbeiten laut aktueller HDI-Studie bereits cloudbasiert – deutlich mehr als der Durchschnitt aller Unternehmen (54 Prozent). Weitere 19 Prozent planen den Cloud-Einstieg. Künftig würden damit nur noch 3 Prozent der Steuerberater vollständig ohne Cloud-Nutzung arbeiten. Die DATEV hat Anfang 2026 angekündigt, sukzessive sämtliche DATEV-Kernprogramme in die Cloud zu migrieren, alle dann lokal installierten DATEV-Programme laufen aus.
Diese hohe Digitalisierung bringt reale Vorteile – mobiles Arbeiten, DATEV-Integration, Mandantenportale. Sie vergrößert aber auch die Angriffsfläche: Unternehmen mit ausgelagerter IT-Infrastruktur sind laut Studie deutlich häufiger von Betriebsunterbrechungen betroffen als Unternehmen ohne Cloud-Nutzung (31 Prozent gegenüber 14 Prozent).
Mandantendaten sind kein gewöhnliches Geschäftsgeheimnis
Steuerberater verwalten nicht nur eigene Unternehmensdaten, sondern hochsensible Finanz- und Personendaten ihrer Mandanten. Ein Datenverlust betrifft damit in der Regel nicht nur die eigene Kanzlei, sondern auch Dritte. Gegenüber diesen Dritten besteht eine gesetzliche Verschwiegenheitspflicht. Diese besondere Vertrauensstellung – rechtlich verankert in der Berufsordnung der Steuerberater und in § 203 StGB – dürfte ein wesentlicher Grund sein, warum die Existenzsorge in dieser Branche so viel höher ausfällt als anderswo.
Welche konkreten Schritte zum Schutz von Mandantendaten dazugehören, zeigt unsere Checkliste „Mandantendaten schützen“.
Was das für die Kanzlei konkret bedeutet
Ein Cyberschaden bei einer Steuerkanzlei hat also zwei Dimensionen: die wirtschaftliche Existenzgefährdung durch Betriebsunterbrechung und Wiederherstellungskosten – und das Haftungsrisiko gegenüber Mandanten, wenn deren Daten betroffen sind. Beides verstärkt sich gegenseitig: Wer Mandantendaten nicht ausreichend schützt, riskiert nicht nur den eigenen Betrieb, sondern auch Schadensersatzforderungen und den Verlust des Mandantenvertrauens.
Welche Haftungsrisiken für Sie als Geschäftsführer oder Kanzleiinhaber konkret bestehen, erfahren Sie in unserer Checkliste zur Geschäftsführerhaftung.
Prävention beginnt beim Menschen, nicht erst bei der Technik
Die gute Nachricht: Steuerberater investieren bereits stark in technische Maßnahmen. Die Studie zeigt aber auch, dass Mitarbeiterschulungen branchenübergreifend seltener vollständig umgesetzt sind als technische Vorkehrungen. Gerade in Kanzleien, in denen jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter Zugriff auf Mandantendaten hat, ist der Mensch die erste – und oft einzige – Verteidigungslinie gegen Phishing-Mails und Social Engineering.
Häufige Fragen zur Cybersicherheit in Steuerkanzleien
Warum sehen Steuerberater ihre Existenz stärker gefährdet als andere Branchen?
Haftet eine Steuerkanzlei bei einem Datenverlust von Mandantendaten?
Reicht technischer Schutz wie Firewalls und Cloud-Sicherheit aus?
Welche Rolle spielt eine Cyberversicherung für Steuerkanzleien?
Quelle: HDI Cyberstudie 2026